Langsam und leise pirscht sie sich an. Ganz tief geduckt im hohen Savannengras lauert sie. Bereit zum Angriff. Wir beobachten sie seit nun über einer Stunde. Gespannt verfolgen wir die fünf Löwinnen und versuchen ihre Taktik zu verstehen. Wir trauen uns fast nicht mehr zu atmen, die Kamera habe ich auf die Thomson Gazellen gerichtet. Die Luft flimmert, ein leichter Wind weht, die Sonne steht weit oben am Himmel und es herrscht eine absolute Ruhe. Die Gazellen grasen friedlich und wenn wir nicht schon eine gefühlte Ewigkeit da wären würden wir nicht vermuten, dass sich bald dramatische Szenen um Leben und Tod abspielen. Und dann, plötzlich springt die eine Löwin auf, hetzt in rasendem Tempo auf die noch nichts ahnenden Gazellen zu. Blitzartig reagieren diese und flüchten davon. Doch die Löwen haben sich die Taktik genau ausgedacht. Es war bloss ein Scheinangriff. Hinter dem Busch wartet immer noch die Löwin, welche unserem Auto am nächsten ist. Jetzt springt auch sie auf! Und die Falle schnappt zu. Die Jagd der Löwinnen ist aufgegangen. Wildlife in der Serengeti! Spannend und eindrücklich zugleich. Die kleine Gazelle tut uns leid, doch wir wissen, dass dies zum natürlichen Kreislauf gehört. Die Natur reguliert sich selber. Die Löwin versteckt ihre Beute im Busch und geht los ihre Jungen zu holen. Gierig machen sie sich über die Beute her. Durch die Trockenzeit in der Serengeti haben schon viele Tiere mit der Wanderung hinauf in den Norden begonnen. Das Futter wird knapper für die grossen Katzen. Wie spannend für uns! Es braucht zwar viel Geduld, aber wir können während unserer Safari in Tanzania über zehn Jagdangriffe verfolgen. Was für ein Spektakel, welche eindrücklichen Szenen!

Eine Safari ist jedes Mal etwas Neues. Es ist nicht einfach wie im Zoo, wo die Tiere eingesperrt sind. Nein, wir bewegen uns in freier Wildbahn. Es gibt Tage und Orte wo man Tausende von Tieren sieht. An wieder anderen Tagen sieht man nur wenige Tiere und ist die ganze Zeit mit dem Fernglas auf der Suche. So auch ein einem frühen Morgen. Wir haben seit bald zwei Stunden kein Tier mehr gesehen, bis unser Driver Gege das Auto abrupt stoppt und uns rasch zuflüstert, ganz still zu sein. Und dann sehen auch wir die elegante Leopardin, wie sie im hohen Gras zum nächsten Baum läuft um sich den ganzen Tag in der Krone auszuruhen. So nah am Weg sieht man nicht oft Leoparden, gehören sie doch zu den scheusten Tieren Afrikas. Und dann erblicken wir erst! Sie wird begleitet von zwei Babyleoparden! Selbst unser Driver traut seinen Augen nicht! Das sieht man wirklich fast nie! Normalerweise hält die Mutter die Tiere weit weg und sehr gut versteckt. Doch diese scheint uns noch nicht bemerkt zu haben oder sie ignoriert uns. Die Liebe, mit welcher sie mit den Kindern spielt und die Ausgelassenheit der Kleinen sind rührend.

Auch wir machen uns auf Fuss-Safari im Ndutu, einem Gebiet im südöstlichen Teil der Serengeti. Ein spezielles Erlebnis und die ganze Zeit dreht sich in unseren Köpfen die Frage, möchten wir wirklich zu Fuss Tiere sehen? Wir denken an die Szenen vom Vortag als wir die Jagd beobachtet haben. Die Löwen haben wir im dichten Gras fast nicht gesehen. Doch bald beruhigen wir uns und merken, dass wir unseren drei Guides Msafiri, Naturalist, sowie einem Massai und einem Ranger vertrauen können. Sie haben Sinne, welche wir nicht haben. Sie riechen und hören Tiere von ganz weit her. Sie wissen, wie sich die Tiere verhalten, kennen deren Territorien. Aus sicherer Distanz können wir Giraffen und Elefanten beobachten und sehen sogar weit weg eine Hyäne. Auch wenn man mit dem Auto näher an die Tiere kommt, wir fühlen sie jetzt so nah wie sonst nie! Dadurch empfinde ich dieses Erlebnis auch als  eines vom Prägendsten. Zu Fuss durch die Serengeti wandern. Wie einst für die Naturforscher, ist dies nun auch für Touristen machbar. Was für eine Einzigartigkeit und was für ein Erlebnis! Etwas, das nur die wenigsten Touristen machen, was für ein Privileg. Wir werden auf kleinste Details aufmerksam gemacht, lernen Spuren lesen und können aus dem Kot der Giraffen erkennen, ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt.

Die Informationen von Msafiri inspirieren uns, wir achten jetzt ganz anders auf Details. Ein Safari-Erlebnis der Extra Klasse! Und dann heisst es wieder ins Auto zu steigen und weiter auf Pirschfahrt zu gehen. Plötzlich meinen wir eine Gazelle in der Ferne zu sehen, wie uns Msafiri erklärt hat schauen wir die Haltung genauer an. Ist dies wirklich eine Thomson Gazelle? Der Rücken ist stark im hohlen Kreuz, eigentlich eher typisch für einen Geparden. Unser Driver Gege stoppt gerade noch rechtzeitig. Im Ndutu dürfen wir auch abseits der Strassen fahren. Wir kommen so näher ran und sehen den wunderschönen, eleganten Geparden. Schon bald den zweiten! Und dann sogar noch zwei! Eine Mutter mit drei Jungen! Was für eine Sensation!  Wir sind froh wieder im Auto zu sein und fotografieren und beobachten aus sicherer Umgebung.

Dass Raubkatzen meine Lieblinge sind kann ich nicht verbergen. Ich komme voll auf meine Kosten! Während der ganzen Reise sehen wir mehr als hundert Löwen, fünf Geparden und sogar sieben Leoparden! Das haben wohl noch nicht viele gesehen, unsere Geduld hat sich gelohnt! Wir fühlen uns privilegiert und geniessen den Moment!

Ich freue mich bereits, die nächste Naturreise Tanzania vom 7. Oktober bis 23. Oktober 2017 zu leiten. Und würde mich sehr freuen, auch Ihnen die Schönheit Tanzanias zu zeigen!

 

Safari in Tanzania – den Raubkatzen auf der Spur