Vor einem halben Jahr bin ich glücklicher Vater geworden. Zu lange möchte ich deshalb nicht von meiner Familie weg sein. Eine super Gelegenheit bot sich mir, eine Privatgruppe auf den Kilimanjaro zu führen, die nur den Kilimanjaro mit Aktivferien gebucht hatte. Einmal im Jahr „muss“ ich einfach den Kilimandscharo besteigen, es ist wunderschön und ein unglaubliches Privileg.

In Marangu komme ich einen Tag früher als die Gruppe an. Es ist wie ein Nachhause kommen. Von Evarest, Godlisen, Goodluck, Gaudence und Jimmy werde ich freudig empfangen.  Sie haben alle bis um 23.00 Uhr im Kilimanjaro-Farmhaus auf mich gewartet, um noch beim Abendessen dabei zu sein. Am folgenden Abend empfangen wir unsere Gäste im Fortune Mountain Resort.

Wir gehen die Reise Pole Pole an. Bevor das Kilimanjaro-Trekking beginnt, spazieren wir durch Marangu und besuchen unser Kilimanjaro Farmhouse, wo wir auch das Mittagessen einnehmen. Vom Alltag herunterfahren, bevor die Besteigung des Kilimanjaro losgeht….grosse Berge muss man Pole Pole, also langsam, langsam angehen. Pole Pole, das ist das Motto für die kommende Woche.  Wir freuen uns alle auf das Trekking am Kilimandscharo. Begleitet werden wir von Godlisen, Goodluck, Gaudence und Jimmy.

Um 9.00 Uhr starten wir am folgenden Tag beim Kilimanjaro Gate. Das Tempo wird von unserem Guide Gaudence vorgegeben. Er, der aktuell den lokalen Kilimanjaro Rekord mit 9h 30 min hält. Hin und zurück wohlverstanden. Er wandert „Pole Pole“ voran, und erspäht bald schon die ersten Blue Monkeys. Für ihn seien die Tage mit Trekkinggästen „relaxing“, und dazu hat er ein Auge für die Natur. Wir bestaunen die Blue Monkeys und Black Colobus Monkeys, die uns bis zur Mandara Hütte immer wieder begleiten. Da oben erspähen wir auch noch Baumschliefer, die bis aufs Dach der Hütte kommen. Was für eine herrliche Natur, die uns bereits am ersten Trekkingtag begegnet. Als Abschluss des Tages präsentiert sich ein prächtiger Sternenhimmel. So schön haben wir die Milchstrasse und Co. schon lange nicht mehr gesehen.

Auch der Weg in die Horombohütte ist abwechslungsreich und schon früh präsentiert sich der Kilimanjaro in seiner ganzen majestätischen Grösse. Da oben werden wir hoffentlich in ein paar Tagen stehen. Der Weg scheint noch weit, doch unglaublich schön. Protea, Lobelien, Senezien, Erikabäume, Nektarvögel, Geierraben, auch auf der zweiten Etappen begegnen wir faszinierender Natur. Auch die Horombo Hütte liegt wunderschön gelegen in Senezien- und Erikafeldern. Hier werden wir zwei Nächte verbleiben, um uns optimal an die Höhe anzupassen.

Die Akklimatisierungsetappe führt uns in Richtung Kibo Sattel auf 4400 Meter. Vorbei an den Zebrafelsen wechselt die Vegetation allmählich und bald schon sind wir in der Lavawüste, der sogenannten Kibowüste. Den Kilimanjaro erspähen wir heute leider nicht, er gibt sich verdeckt in den Wolken, nur bis zur Kibohütte sehen wir. Den Nachmittag verbringen wir wieder in den Horombohütten mit Spielen, Lesen, Plaudern. Meine Gäste freuen sich alle auf das Kommende, sind aber auch ein bisschen angespannt. Alle sind jedoch motiviert und wollen ganz hinauf.

Die letzte Etappe vor dem Gipfelsturm führt uns zuerst nochmals durch Erikabüsche und Senezienfelder, bis wir am „Last Waterpoint“ vorbeikommen und schon bald in die Kibowüste wandern. Ab jetzt läuft der Countdown. In ziemlich genau 24 Stunden werden wir wieder hier vorbeikommen. Eine gewisse Unsicherheit ist wohl bei allen da, wie wird es wohl sein in der Nacht auf den Koloss zu wandern? Der starke Wind hier in der Kibowüste macht uns zu schaffen, es ist bereits jetzt sehr kalt und niemand spricht mehr. Im Wind würden wir uns fast nicht mehr verstehen, jeder hängt seinen Gedanken nach.

Die Kibohütte ist nicht so gemütlich wie die anderen Hütten, und trotzdem bekommt man sie mit der Zeit gerne. Sie ist einfach ein bisschen wild. Jetzt heisst es, unsere Sachen für die Nacht bereitzulegen und dann ein bisschen zu schlafen, das Nachtessen einnehmen und nochmals bis um 23.30 schlafen. Der Wind weht immer und immer wieder die Türen auf, macht einen Lärm und wohl die wenigsten meiner Gruppe schlafen richtig tief. Ein bisschen ausruhen vor dem „ grossen Sturm.“

Um 23.00 Uhr treffe ich mich mit den lokalen Guides und wir besprechen bei einem Kaffee die Taktik. Ein halbe Stunde später wecke ich die Gäste. Oder vielleicht erlöse ich sie einfach nur vom Warten. Ein Gast hat leider die Höhenkrankheit und musste in der Nacht mehrmals erbrechen. Sicherheit und Vernunft während dem Kilimanjaro-Trekking war ein Thema in Marangu bei der Vorstellungsrunde. Und auch den Kilimanjaro nicht um jeden Preis zu erzwingen. Für einen Gast ist deshalb nun leider hier in der Kibohütte Schluss. Eine beachtliche Leistung und immerhin Mont Blanc Höhe. Wir verabschieden uns und starten mit neun Gästen Pole Pole in die dunkle Nacht hinaus.

Was für ein bezaubernder Sternenhimmel und schon bald erkennen wir die Lichter von Rongai in Kenia. Bei der Hans Meyer Höhle müssen wir uns leider nochmals von einem Gast verabschieden, dem die Höhe stark zu schaffen macht. Er tritt in Begleitung eines Guides den Rückweg an.

Alle anderen gehen weiter , zwei Gäste mit Jimmy und Goodluck ein bisschen langsamer, Godlisen und ich erreichen mit sieben Gästen um 5.45 bereits den Gilmans Point. Wow! Und der Himmel verfärbt sich ganz langsam. Weiter geht es zum Stella Point und hier kommt die langersehnte Sonne. Ergreifend! Was für ein Farbenspiel, wie diese verschiedenen Orange und Rottöne den Berg verfärben. In diesem Licht geht es weiter bis zum Uhuru Peak, den wir um 7.15 erreichen. Wir sind ganz oben! Wir umarmen uns, gratulieren und geniessen den Augenblick. Wow, wir haben es geschafft!

Ein Gruppenfoto und bereits nehmen wir den langen Abstieg in Angriff. Da kommt uns Goodluck mit unserem ältesten Gast (70) entgegen. Sein Enkel und ich kehren nochmals um, um mit ihnen gemeinsam auf dem Gipfel zu stehen. Für mich ist es das erste Mal zusammen mit Goodluck ganz zuoberst. Sonst hatte er jeweils die Gäste frühzeitig zurück begleitet. Nun stehen wir gemeinsam hier, zusammen mit dem Grossvater und seinem Enkel. Der Kilimanjaro ist einfach immer wieder etwas ganz besonderes. Jimmy erreicht mit seinem Gast den Stella Point, auch dies eine super Leistung.

Wir wandern noch bis zur Horombohütte und ruhen uns da aus. Am Abend kommen die lieben Guides, die nun mittlerweile allen ans Herz gewachsen sind, mit einer Überraschung und singen die Kilimanjaro Lieder. Um richtig zu feiern sind wir noch zu müde. Wir geniessen den Augenblick, bevor wir erschöpft, aber sehr glücklich das letzte Mal im Schlafsack einschlafen.

Nun heisst es Abschied nehmen vom schönen Berg und bei strömendem Regen laufen wir ins Tal hinunter. Der Regen scheint aber niemanden zu stören, er gibt der Region etwas Mystisches und so erleben wir den Regenwald nochmals von einer anderen Seite.

Am Abend am Trägerfest singen und tanzen wir mit den Guides und dem ganzen Team. Nun sind alle zum Feiern gelaunt. Gaudence ist zudem sehr musikalisch und trommelt und singt. Wir bedanken uns beim ganzen Team und wir bedanken uns bei unseren Gästen.

Meine Gruppe kam mit wenig Bergsteigerfahrung zum Kilimanjaro. Ein Ziel von allen war der Kilimanjaro Gipfel. Aber nicht nur und nicht um jeden Preis. So waren alle gespannt auf die verschiedenen Klimazonen und die Begegnungen mit den Menschen vor Ort. Mit einem Gast in der Kibo Hütte, einem Hans Meyer Höhle, einem Stella Point und sieben auf dem Uhuru Peak dürfen aber alle mit dem Erreichten zufrieden und wohl auch ein bisschen stolz sein. Der Kilimanjaro, das ist aber nicht nur der Gipfel; es ist der Weg dorthin, die intakte wunderschöne Natur, die Begegnungen mit den Dschaggas, die verschiedenen Klimazonen und auch die verschiedenen Klima zu spüren. Wir hatten viel Sonne, wir hatten Wind, Nebel und Regen. Und wir hatten gespürt, wieder mal richtig draussen zu sein. Für mich das Faszinierendste an einer Kilimanjaro Besteigung. Diese verschiedenen Klima und die lieben Menschen – sich eine ganze Woche Pole Pole einem Berg zu widmen.

Nun heisst es Abschied nehmen von der Gruppe und von den Menschen am Berg. Es war wieder unglaublich schön. Kilimanjaro, für mich jedes Mal ein Privileg.

 

Asante Sana! Kwaheri Tansania!

Kilimanjaro-Besteigung – Reisebericht von Beni Büchi