«Karibu», Willkommen, begrüsst uns Erich, einer unsere Fahrer am Flughafen in Daressalam. Die Reise war einfach und auch das Prozedere bei der Einreise läuft wie am Schnürchen. Daressalam, «Das Haus des Friedens» begrüsst uns mit einer wohltuenden Wärme. Einige Teilnehmer nennen es heiss. Ein erstes kühles Kilimanjaro-Bier trinken wir abends in der Las Vegas Bar. Nomen est omen, es ist ein Casino und die rot leuchtende Zahl des Super Jackpots steht bei 57‘582‘961. Falls Sie jetzt überlegen, genau, in Tansania Shilling!

Am Morgen besteigen wir zwei kleine Safariflugzeuge und fliegen über zuckerwattenartige, schneeweisse Cumuluswolken Richtung Mikumi Nationalpark, dem viertgrössten Park in Tansania. Bereits beim Landeanflug entdecken wir Gnus, Zebras und Impalas. Unser Pilot ist jung, er stellt sich nach der Landung als der Sohn der Fox-Familie vor. Die Foxfamilie hat die letzten 40 Jahre geholfen, in den Parks die wir besuchen werden, die ganzen Infrastrukturen aufzubauen. Sie setzt sich für nachhaltige Projekte mit den Einheimischen ein und bauten ökologische Lodges. Wir freuen uns Matthew, den Vertreter der dritten Generation kennenzulernen. Er wünscht uns eine gute Reise «Safari enjema» und übergibt uns den wartenden Fahrern und Guides. Diese erklären uns die Verhaltensregeln auf Safari und erklären gleich zu Beginn was wir nicht sehen werden: Nashörner und Geparde. Auf die Frage:  «Wieso nicht?», antwortet Zacharias: sie sind ausgestorben. Das ist eine sehr höfliche Formulierung für gewildert und ausgerottet. Wir verteilen uns auf die drei offenen Jeeps und die Safari beginnt.

Und wie sie beginnt. Zacharias, einer der Naturführer lacht und fragt: «sind Löwen für den Anfang OK»? Wir nicken überrascht und schon fahren wir los, machen einen U-Turn um das kleine Flugfeld herum und halten drei Minuten später etwa 50 Meter von einer Akazie entfernt. Zuerst sehen wir die beiden schlafenden Löwinnen nicht. Wir müssen erst einmal die Augen fokussieren um die beiden braunen Körper von der braunen Erde unterscheiden zu können. Letus, unser Fahrer, schmunzelt: «Ihr werdet es schon bald gelernt haben!» Wir freuen uns über den geglückten Start. In der Ferne sehen wir drei Elefanten gemächlich durch die Savanne trotten. Und dort, sind das nicht Giraffensilhoutten zwischen den Bäumen? Aber hey, da! Mitten im Akazienbusch, der noch näher als die beiden Löwinnen, etwa 30 Meter vor unseren Jeeps steht, … das ist doch …! Tatsächlich, dort im Schatten liegt ein mächtiger König der Tiere und macht, was er 20 Stunden am Tag tut: er schläft! Unglaublich! Was für ein Start. Auf dem Weg zum Camp läuft ein junger Elefantenbulle direkt vor uns über die Piste. Giraffen drehen neugierig ihre langen Hälse und beäugen uns. «Der grosse Vogel dort, was ist das?» will Cornelia wissen. Es ist ein erster Geier. Zebras, Impalas, Gnus und Büffel stehen am Wegrand. Wir staunen und sind begeistert.

Als wir die Formulare beim Mikumi-Parkeingang ausfüllen kommt ein grün gekleideter Ranger zu uns und schaut auf die Pässe. «Switzerland?» fragt er. Wir nicken. Er strahlt und sagt: «I like Sheridan Shaqiri, very powerful player. And Embolo, very good player too!» Er lacht und verspricht, uns heute Abend beim Match gegen Bulgarien die Daumen zu drücken.

Das Vuma Hill Camp liegt auf einem Hügel inmitten von Bäumen mit Aussicht über das Tal. Wir geniessen das Mittagessen auf der Terrasse im Haupthaus oberhalb des kleinen Pools. Und beziehen die hübschen Bungalows. Das Wasser zum Duschen wird mit Sonnenenergie erwärmt. Zikaden zirpen in der Mittagshitze.

Wir gehen am Nachmittag auf eine zweite Pirschfahrt. Die Führer reden mit einem entgegen kommenden Jeepfahrer. Und schon drückt Letus aufs Gas. «Leopard», flüstert Zacharias und nach einigem Suchen im dürren Savannengras, entdecken wir doch tatsächlich einen jungen Leoparden! Er versteckt sich vor uns im hohen Gras. «Wie geil ist das den?» flüstert Gabriela und fotografiert ihren ersten Leoparden. Sie erzählt uns später, das sie schon mehrmals auf Safari war, aber einen Leoparden hatte sie noch nie gesehen. Wir lassen den Leoparden in seinem Versteck zurück und finden eine ziemlich grosse und lange Python auf der Weiterfahrt, direkt neben der Sandpiste. Sie verzieht sich gemächlich, als wir unsere Kameras in Stellung bringen.

«OK, let’s go to the Hippo-Pool», sagt Zacharias und deutet geradeaus in die weite Landschaft. Doch nach ein paar Minuten bekommt er einen Anruf von unserem dritten Fahrer, dem Massai Mereso. Und schon wendet Letus unseren Jeep und wir preschen zurück zum grünen Baum bei der Abzweigung. Die Fahrer und Guides deuten hinauf in die Baumkrone und lachen: «Big one! You are a very lucky group today!» Und das sind wir tatsächlich! Dort liegt ein weiterer Leopard ganz oben hinter den grünen Blättern auf einem Ast. Man muss schon ziemliche Adleraugen haben um den Leoparden vom fahrenden Fahrzeug aus zu sehen. Massai Mereso in seinem rot-schwarz karierten Massaituch lacht und gibt sich bescheiden: «Ich hatte einfach Glück den Leoparden zu entdecken.» Und Gabriela meint: «Das gibts doch gar nicht. Unglaublich! Zwei Leoparden am selben Tag, in einer Stunde. Ich weiss gar nicht ob ich lachen oder weinen soll!»

Wir beenden den spannenden ersten Safaritag am Hippo-Pool. Mit einem kühlen Bier in der Hand beobachten wir Nilpferde, Krokodile, Klaffschnabel-Störche, Hagedasch Ibisse sowie einen einsamen Büffel der im Schlamm feststeckt. Und können uns nicht entscheiden in welche Richtung wir schauen und beobachten sollen. Denn auf der einen Seite stehen zehn Zebras vor der blutrot über der Savanne untergehenden Sonne. Und auf der anderen Seite steht eine kleine Elefantenfamilie mit zwei Babyelefanten am Wasserloch an der Tränke im Abendlicht. Es gibt gute Tage und sehr gute Tage auf Safari. Heute war Wahnsinns-Tag. Karibu in Tansania.

 

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Reisetagebuch der Südtanzania Naturreise