Kwaheri Tanganyika – auf Wiedersehen Tanganika! Der Name für das Land Tansania ist eine Kombination aus Tanganyika und Zanzibar, der beim Zusammenschluss 1964 gewählt wurde. Wir verlassen also heute das Festland Tanganyika und wechseln nach Zanzibar.

Am frühen Morgen blinzle ich vom Bett aus durch den Zelteingang, den ich jeweils genau für diesen Moment bis auf das Fliegengitter offen lasse. Was für eine prächtige Aussicht im schwachen Licht des erwachenden Tages. Ich geniesse es, noch etwas liegenbleiben zu können und gleichzeitig die Natur draussen beobachten und den vielfältigen Stimmen lauschen zu können. Was für ein Privileg in einer ruhigen Lodge mit allen Annehmlichkeiten und gleichzeitig mitten drin in der Natur zu sein. Ich hoffe, dass wir alle noch lange Sorge dazu tragen!

Es wird mir aber rasch bewusst, dass heute unser letzter Tag auf dem Festland ist. Da kommt schon ein bisschen Wehmut auf, wann werde ich wohl wieder hier unterwegs sein dürfen? Stella, Joseph – alle fragen „wann kommst Du wieder?“ Die Leute hier sind so sehr darauf angewiesen, dass sie Arbeit haben und wir diese durch unsere Reisen auch ermöglichen. Ich sage allen – vermutlich nächstes Jahr, aber vielleicht vorher? Bis Du, lieber Leser, liebe Leserin auch mal auf einem Kilimanjaro Trekking oder einer Tanzania Naturreise dabei?

Nach dem feinen Morgenessen mit dem von mir heissgeliebten warmen Rhabarbermus (wo sonst gibt es sowas zum Frühstück?) steigen wir in die Safarifahrzeuge und fahren zurück nach Arusha. Unterwegs beobachten wir inner- und ausserhalb des Tarangire Nationalparks Zebras, Gnus und Impalas auf ihrem Weg zum Lake Manyara. Dort finden sie in dieser trockenen Zeit mehr Wasser.

Schon bald stehen wir auf dem kleinen Flughafen von Arusha und beobachten interessiert das emsige Treiben. Vieles ist anders als auf den uns vertrauten grossen Flughäfen, hier findet fast alles draussen statt und die kleinen Flugzeuge heben zu klingenden und verheissungsvollen Orten wie Seronera oder Ndutu ab. Wir aber fliegen mit einem grösseren, zweimotorigen Flugzeug nach Sansibar. Auch das ein zauberhafter Name! Nach kurzen Formalitäten werden wir von Zaidi, dem Vertreter von Leopard Tours, begrüsst, Jambo Rafiki! Dann fahren wir eine Stunde durch die kleinen Orte in den Nordwesten der Insel, ins Bluebay Resort. Unterwegs erzählt uns Zaidi Wissenswertes zur Geschichte von Zanzibar und zu den Besonderheiten der Sprache. Die kleinen Busse in denen die Menschen dicht an dicht sitzen, werden übrigens Dalla Dalla genannt – nach dem Ton, den der Kontrolleur macht, wenn er dem Fahrer Zeichen gibt.

So betreten wir bald eine ganz andere Welt im Bluebay Resort. Hier werden wir also die restlichen Tage des Urlaubs verbringen, uns erholen und die Geschichte unserer Reise Revue passieren lassen. Der Empfang durch den Manager Jonathan ist sehr herzlich und Joyce, seit Jahren unsere gute Seele hier, ist ganz aus dem Häuschen und läuft beim Verwöhnen des Aktivferien Teams zu Hochform auf. Obwohl das Resort gut belegt ist, geht es angenehm ruhig zu und her. Beim Buffet tragen wir Masken, die Mitarbeitenden halten die Abstände ein und es herrscht weder Hektik noch Gedränge – einfach eine schöne, erholsame Athmosphäre.

Das Team ist aber noch nicht müde. Nach einen verlängerten Apéro und einem feinen Abendessen setzen wir uns am von Joyce für uns reservierten Platz nochmals zusammen und plaudern und lachen bis weit in die tropische Nacht hinein! Wenn ich daran denke, dass diese Menschen sich vor nicht mal zwei Wochen zum ersten Mal gesehen haben, ist es doch das schönste Geschenk zu erleben, wie sie nun als Team zusammensitzen und Teil davon zu sein. Es werden bereits erste Pläne für ein Wochenende im Alpstein geschmiedet – so schnell kann es gehen!

Nun ist es aber auch für mich Zeit, zu relaxen – bis morgen!

21.07.21 Tembu – die Elefanten

sind hier im Tarangire Park die dominierenden Tiere obwohl der Name sich aus den Begriffen Warzenschwein und Fluss zusammensetzt. Nach einer erholsamen Nacht in den komfortablen Zelten versammelt sich das Team zum Frühstück – gleich werden die Erlebnisse der Nacht ausgetauscht: „Hast Du den Löwen auch gehört? Der ist sicher noch um die Zelte geschlichen! Was war das wohl, das komische Geräusch in der Nacht?“ Es ist jedenfalls spannend aber auch erholsam der Natur zu lauschen und langsam einzuschlafen.

Nach dem feinen Frühstück geht es los auf Pirschfahrt. Die riesigen Baobab (Affenbrotbäume) dominieren hier die Landschaft. Und dazwischen grasen Impalas (Antilopen), Zebras, Gnus und gelegentlich eine Büffelherde. Ein paar Giraffen ziehen in ihrem eleganten Gang vorbei. Das ist das Gefühl von Afrika pur! Wir können uns kaum sattsehen!

Nach dem Mittagessen und einer Siesta fahren wir nochmals los. Elefanten mit ihren Jungen ziehen direkt auf unser Fahrzeug zu. Ein bisschen Sorge kommt schon auf – ob sie wohl den Jeep umwerfen könnten? Ein Jungtier macht ein kleines Tänzchen und alles bleibt friedlich. Da drüben kommt noch ein Fahrzeug von Aktivferien – wer mag das wohl sein? Und siehe da, unser Freund Roland ist mit seiner Frau auch da, mitten im Tarangire Park wird grosses Wiedersehen gefeiert!

Plötzlich gibt Castro unser Fahrer mächtig Gas. Wir rumpeln über die Pisten und tatsächlich können wir am Fluss eine Löwenfamilie beim Mahl an einem Zebra beobachten – eindrücklich! Unsere Glückssträhne hält also weiterhin an. Nach einer ausgiebigen Beobachtung geht es zurück zur Lodge.

Schon bald versammeln sich alle um das Feuer auf der Terrasse der Lodge. Wir lassen die bisherige Reise Revue passieren und all die fantastischen Erlebnisse aufleben. Wir sind uns einig, es war ein unvergessliches Erlebnis. Morgen geht es nun für ein paar Tage nach Zanzibar – in eine doch ziemlich andere Welt, die aber auch wieder ihren ganz besonderen Reiz hat.

Noch lange sitzen wir zusammen und geniessen die tolle Stimmung und das Zusammensein unter Freunden.

 

20.07.21 Chui – Leopard auf Suaheli

Dieses faszinierende, scheue und schwierig zu beobachtende Tier hat unseren Tag im Ngorongoro Krater geprägt. Schon früh am Morgen bei kühlen Temperaturen haben wir vom fantastischen Kuhama Camp Abschied genommen. Das ganze Team versammelte sich und gemeinsam haben wir den Jambo Song gesungen. Ich hoffe sehr, dass ich schon bald wieder hierhin zurückkehren darf.

Vorerst aber geht es hinunter auf den Boden des Kraters. Was er uns wohl heute für Überraschungen bescheren mag? Nach den ersten Begegnungen mit Zebra, Büffel, Gnu und Schakal steigt der Entdeckergeist – was kommt wohl als nächstes? Und tatsächlich, direkt am Strassenrand entdecken wir eine Serval Mutter mit ihrem Jungen! Ein überaus seltener Anblick und ein Moment grossen Glücks. Sie bewegt sich dem Strassenrand entlang, sodass wir sie ausgiebig sogar mit dem Handy fotografieren können.

Den ganzen Vormittag über machen wir viele Beobachtungen in der reichen Tierwelt des Ngorongoro Kraters. Warzenschweine, Flusspferde, Falke, Hyäne – alle lassen sich hier finden und fotografieren. Und dann finden wir etwas weiter weg auch noch ein Löwenpärchen. Zum Mittagessen fahren wir an den kleinen See mit den Nilpferden. Nun müssen wir aber bereits an die Weiterfahrt denken. Alle sind begeistert von diesem besonderem Platz auf unserem Planeten und sind ein wenig traurig, diesen schon wieder verlassen zu müssen.

Die Strasse schickt sich gerade an, steil zum Kraterrand hinauf zu klettern, da bewegt sich im Gebüsch etwas. Tatsächlich taucht eine Leopardenmutter mit zwei Jungtieren auf und rennt den Hang hoch. Wir drücken auf die Auslöser der Kamera und manch einer Teilnehmerin gelingt die Aufnahme ihres Lebens! Wir hatten schon oft Glück auf dieser Reise – aber diese Begegnung stellt alles in den Schatten, glauben wir.

Auf der Fahrt über den Kraterrand und hinunter zum Gate verarbeiten wir das Erlebte. Beim Gate kaufen wir ein Glacé. Dabei vergisst jemand, die Türe zum Fahrzeug zu schliessen und schwupp, schon rennt ein Pavian mit einer Lunchbox davon. Die ganze Familie tut sich gütlich an den Resten.

Nach rund zwei Stunden Fahrt kommen wir im Tarangire Park an. Hoch über dem Tarangire Fluss liegt die gleichnamige Lodge. Wir erleben wieder einen fantastischen Platz mit grosser Gastfreundschaft. Da ich gerade zum ersten Mal Babu geworden bin, lade ich das Team zum Apéro ein. Danielle erscheint ganz aufgeregt – vor ihrem Zelt liege eine Löwin auf dem Baum. Alle grinsen und keine oder keiner will es so recht glauben. Nachdem sie uns ein Foto auf dem Handy gezeigt hat gehen Andreas und Rahel nachschauen. Und tatsächlich, rund 20 Meter vom Zelt weg liegt die Löwin friedlich auf dem Ast. Als es dunkel geworden ist, liegt sie sogar direkt neben dem Zelt und die Angestellten der Lodge versuchen, sie mit den Taschenlampen zum Wechseln des Platzes zu bewegen. Noch lange reden wir an diesem Abend über das Vorkommnis und lachen viel über all die guten Ratschläge was zu tun sei, wenn die Löwin ins Zelt kommt. So findet ein ereignisreicher Tag, an welchem wir unglaublich viel Glück hatten ein gemütliches Ende.

 

19.07.21 Safari – eine Reise auf Suaheli

Das Wort Safari hat eigentlich nur in der Interpretation unserer nördlichen Gesellschaft etwas mit Tierbeobachtung zu tun. An diesem Montag nach dem Abschluss eines denkwürdigen Kili-Trekkings und einem tollen Abschlussabend mit allen Porters, Köchen, Waiters und Guides sowie mit dem Team unternehmen wir also eine Safari.

Schon früh holt uns der Bus in Marangu ab. Mit etwas Bedauern lassen wir Roland zurück, dessen Frau nachgereist ist. Sie werden in den kommenden zwei Wochen die Tanzania Naturreise machen. Das Gute ist, dass wir unseren Babu am Mittwochabend in Tarangire nochmals treffen werden. Wir freuen uns schon jetzt darauf!

Frederik unser Fahrer bringt uns sicher durch den dichten Verkehr nach Arusha zur Armani Lodge. Dort werden wir von unseren Safari Fahrern schon erwartet und nach einem feinen Mittagessen geht es los in Richtung Ngorongoro National Park. Die Fahrt durch das Land der Massai und das Rift Valley ist interessant und abwechslungsreich.

Kurz nach dem Eintritt in den Nationalpark erreichen wir den Kraterrand und den Aussichtspunkt. Was für ein atemberaubender Blick in dieses riesige Rund, rund 400 Höhenmeter unter uns! Schon von hier oben können wir die ersten Büffelherden ausmachen! Noch eine weitere Stunde geht es dem Kraterrand entlang bis zum Kuhama Camp.

Andreas ist restlos begeistert – was für ein Camp! Die Zelte sind angenehm gross und beinhalten alles was ein Hotelzimmer braucht. Und auch eine warme Dusche wird auf Bestellung rasch geliefert. Und das alles wird jedes Jahr zur Saison neu aufgebaut und kommt ohne feste Installationen aus. Emanuel und sein Team begrüssen uns herzlich und tun alles für unser Wohlbefinden. Schon bald sitzen alle frisch geduscht im Kreis und geniessen den Apéro in der wärmenden Abendsonne.

Den Sonnenuntergang bewundern wir unter Führung eines Massai vom Viewpoint aus. Wie der Koch mit dieser bescheidenen Infrastruktur ein derart feines Abendessen herbeizaubern kann bleibt uns ein Rätsel. Und so beenden wir einen langen Safaritag zufrieden und glücklich in den durch die Bettflaschen schön vorgewärmten Betten.

 

18.07.21 Asante sana – herzlichen Dank in Suaheli

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Danke sagens.

Auf Horombo begrüsst uns wieder die weisse Spitze des Kili vor stahlblauem Himmel. Danke, du grosser Kili, dass Du uns ein solches Erlebnis vermittelt hast. Du hast uns Menschlein schon zu spüren gegeben, dass Du jederzeit stärker wärst, aber Du warst gnädig mit uns – asante sana!

Wir verabschieden uns von diesem gastlichen Ort und steigen zügig hinunter in Richtung Marangu – aber nicht ohne uns nochmals an den blühenden Senezien zu erfreuen. Im mystischen Licht an der Nebelgrenze leuchten sie mit den Fakellilien um die Wette. Herzlichen Dank, liebe Natur, dass Du uns solch einmalige Eindrücke mitgibst. Wir sind uns wohl bewusst, dass das hier auch die Einheimischen kaum nochmal im Leben sehen werden – asante sana!

Schon bald tauchen wir in den Nebel ein und folgen dem neu hergerichteten Weg. Überhaupt, die Infrastruktur am Berg ist gut unterhalten und gepflegt. Danke dem Nationalpark für alle Arbeiten, gerade auch nach dem grossen Feuer – asante sana!

Unten am Gate werden wir von Evarest herzlich empfangen. Da wird uns am Ausgang aus dem Nationalpark schon bewusst, dass das Abenteuer Kili zu Ende geht und jetzt die Verarbeitung der Erlebnisse beginnt. Beim Parkplatz trinken wir ein Bier, kaufen bei Gaudence ein und lassen unsere Schuhe putzen – Danke all den Leuten hier für ihre Lebensfreude und ihre Fröhlichkeit – asante sana!

Nach der Rückkehr ins Hotel, der ersehnten Dusche und dem Ausruhen steht das Trägerfest an. Alle Porter, die Köche, die Kellner und die Guides versammeln sich, erhalten etwas zu trinken und die von uns mitgebrachten Ausrüstungsgegenstände werden verlost. Beim Singen können wir Schweizer zwar nicht ganz mithalten, aber wir glauben, dass das „Buurebüebli“ doch einigermassen gefallen hat… Wir alle brachten unsere Dankbarkeit für die Arbeit jedes Einzelnen zum Ausdruck. Nur der tatkräftigen Hilfe aller konnten wir diesen hohen Berg besteigen – asante sana!

Beim Abendessen im Hotel tauschen wir angeregt unsere Erlebnisse und Eindrücke aus. Vor einer guten Woche haben wir uns am Flughafen kennengelernt und heute sind wir ein starkes Team. Danke Euch allen für Euer Mitdenken und Mithelfen, die Gespräche und Kontakte und das bereichernde Zusammenleben. Ihr seid fantastisch, ich freue mich auf die zweite Woche mit Euch – asante sana!

Urs

 

 

17.07.21 Kibo – jetzt gilt es ernst!

Der Kilimanjaro besteht aus drei Vulkanen. Vom ältesten Vulkan Shira ist nicht mehr viel übrig. Vom zweiten Vulkan, dem Mawenzi steht noch ein Rest des Kraterrands und in der Mitte erhebt sich der Kibo in voller Grösse rund 1600 m über dem Hochplateau. Da hinauf wollen wir also!

In der Nacht auf Freitag und am frühen Morgen regnet es auf Horombo. Manch einer der Gruppe dreht sich im Schlafsack und fragt sich wie das bei diesen Bedingungen etwas werden soll. Und am frühen Morgen? Es begrüsst uns blauer Himmel und eine schöne Sicht auf den Gipfel des Kibo! Was für eine Überraschung – na dann los! Alle sind aufgeregt und hoch motiviert, auch wenn ein paar bange Fragen im Raum stehen. Wie werde ich die Höhe vertragen? Kann ich die lange Tour schaffen? Wie wird das Wetter sein?

Unter der Führung durch den Guide Dennis wandern wir in rund sechseinhalb Stunden zur Kibo Hütte (4720 m). Zuerst geht es noch durch die Vegetationszone „Moorland“ bis zum „last water Point“. Dank der Feuchtigkeit im Boden haben hier viele Senezien das Feuer vom letzten Oktober überlebt – was für ein Glück. Dann betreten wir die „Alpine Desert“, eine riesige Ebene bedeckt mit Asche und beeindruckenden Steine die der Kibo hierhin geworfen hat. Von hier haben wir tolle Ausblicke auf den Berg und unsere Aufstiegsroute und wir können uns schon mal darauf einstellen.

Nach einem kurzen Schlaf – auf dieser Höhe eher ein Ausruhen – machen wir uns bereit und alle stehen um 00.00 Uhr vor der Hütte. Mit dem Jambo Song geben wir den Startschuss. Godlisten führt uns schön pole pole im Zickzack die eintausend Meter hohe Geröllhalde hinauf. Im Dunkeln sind nur unsere Stirnlampen zu sehen, es ist still und jeder und jede hängt den eigenen Gedanken nach. Wir achten sehr darauf, dass es allen gut geht und die Guides helfen wo immer nötig. Das Gelände wird felsiger und schon bald stehen alle um 05.00 Uhr auf dem Gilman‘s Point (5681 m). Es ist stockdunkel, aber wir können den Ort ja auf dem Rückweg geniessen. Hier gehen nach dem steilen Anstieg die Emotionen ein erstes Mal hoch – im Schein der Stirnlampe lässt sich das eine oder andere Tränchen ausmachen – was für ein Erlebnis!

Godlisten findet, der Weg zum Gipfel sei „flat like Holland“. Natürlich ist es viel weniger steil als der Aufstieg zum Gilman‘s Point, aber die meisten finden doch, der Vergleich hinke etwas. Auf einem felsigen Pfad auf der Kraterinnenseite geht es hinüber zum Stella Point (5756 m) wo wir die Gipfelaspiranten von der Mweka Route antreffen. Hier ist für einmal etwas mehr los. Hinter uns bricht der Tag mit einem fantastischen Sonnenaufgang an. Und auf der gegenüberliegenden Seite werden Eisfelder rötlich beleuchtet und neben dem Mount Meru zeichnet sich der Schatten des Kibo klar ab. Danielle fällt fast aus den Socken – wow ist das schön!

Über die Schneefelder und durch Büssereis bahnen wir uns den Weg zum Gipfelzeichen auf 5895 m. Um 07.00 Uhr sind wir alle als Team da! Die Emotionen überschlagen sich, die Glücksgefühle sind greifbar. Das Wetter ist fantastisch aber es geht ein scharfer kalter Wind der uns alle rasch auskühlt. Nach den obligaten Fotos überlassen wir den Platz der nächsten Gruppe und nehmen den Abstieg unter die Füsse.

Vom Gilman‘s Point gehen wir über die felsigen Partien schön den Guides nach, dann aber können wir im Sand knieschonend hinunterrutschen und sind so schon bald wieder bei der Hütte. Was für eine Tour und was für ein Erlebnis!

Den Abschluss bildet die lange Wanderung von der Kibo Hütte zur Horombo Hütte. Auf dieser Höhe sind wir akklimatisiert und alle fühlen sich wieder wohl. So ist diese Rückkehr am gleichen Tag auch eine Vorsichtsmassnahme. Zurück in der Horombo Hütte ruhen wir aus und während ich den Blog schreibe spielt das ganze Team „Hose abe“. Alle sind gut gelaunt und freuen sich auf die zweite Woche.

Urs

15.07.21 Ukungu – der Nebel ist heute unser Begleiter

Schon am nicht mehr ganz so frühen Morgen, schliesslich ist heute Akklimatisationstag, stecken wir im feuchten Nebel und gelegentlich regnet es sogar. Nach kurzer Diskussion mit Godlisten entscheiden wir, unser Glück zu versuchen und in Richtung Zebra Rocks zu wandern.

Pünktlich zu unserem Abmarsch um neun Uhr trocknet es etwas ab und so ziehen wir guten Mutes los. Bei lichterem und dichterem Nebel steigen wir schön langsam hinauf. Bei der ersten Pause drückt die Sonne durch und wir sehen auch einiges von den vom Feuer gezeichneten Hängen. Unterwegs bewundern wir eine grosse Lobelie und entdecken Hufspuren von Eland Antilopen. Diese grössten Antilopen leben hier auf über 4000 Metern. Letztes Jahr konnten wir sie sogar beobachten, dieses Jahr ist uns das Glück nicht so hold.

Schon bald erreichen wir bei ganz akzeptabler Sicht die Zebra Rocks, bewundern und fotografieren diese besonders gezeichnete Felswand. Dann geht es weiter zum Kibo Sattel. Wir machen die obligaten Fotos, haben aber leider kaum Sicht auf Mawenzi und Kibo. Zurück in den Horombo Hütten gibts Mittagessen und dann Siesta.

Nun bereiten wir uns auf die Tour zum Gipfel des Kibo 5895 m vor. Die Vorfreude gemischt mit etwas Unsicherheit und Anspannung lässt uns konzentriert und seriös das Abenteuer vorbereiten. Morgen wandern wir auf guten und teilweise breiten Wegen hinauf zu Kibo Hütte auf 4700 m. Nach einer kurzen Ruhepause geht es dann um Mitternacht in Richtung Gipfel und gleichentags zurück zu den Horombo Hütten. Eine lange Tour, aber gemeinsam werden wir es schaffen. Wir sind ein tolles Team, gut eingestellt und vorbereitet und mental bereit! Jetzt hoffen wir auf gutes Wetter und dass uns der Kibo auf seinen Buckeln kraxeln lassen möge.

Auf der Kibo Hütte gilt die ganze Konzentration der Besteigung. Der nächste Blogbeitrag kommt wieder von Horombo wenn wir vom Gipfel zurück sind.

Urs

 

14.07.21 Matarajio – Wunder auf Suaheli

Der heutige Tag hatte für uns ein ganz besonderes Erlebnis parat. Im letzten Oktober haben am Kilimanjaro grosse Hänge gebrannt. Schon kurz oberhalb der Mandarahütte sehen wir die weiten verbrannten Flächen. Die Protea sind schwarz und sterben wohl ab, darunter spriessen aber schon die neuen Triebe und machen vereinzelt erste Blüten. Die Erika haben das Feuer recht gut überstanden und zeigen sich im zarten grün. Überhaupt grünt es überall, das Gras wächst und es hat eine bunte Flora wie ich sie um diese Jahreszeit kaum gesehen habe. Es ist schon fast unglaublich wie rasch und stark die Natur sich erholt und in welcher Pracht und Vielfalt sie zurückkehrt.

Das Eindrücklichste folgt aber kurz vor den Horomohütten auf 3500 m. Die jetzt nur noch von Gras bewachsenen Hänge erstrahlen in einem Meer von Fakellilien! Diese orange und gelben Kerzen wachsen dicht an dicht. Und dazwischen leuchten die Senezien mit riesigen gelben Blütenständen, Roland meint sie sehen aus wie viele kleine Sonnenblumen. Alle Senezien hier blühen gemeinsam, etwas das auch der langjährige Guide Godlisten noch nie gesehen hat. Vermutlich hat das Feuer dieses Naturphänomen verursacht und uns ein einmaliges Erlebnis beschert.

Wir können uns fast nicht sattsehen und alle fotografieren was das Zeug hält. Dann müssen wir aber doch weiter und bald erreichen wir unser Tagesziel, die Horombo Hütten auf 3720 m. Hier sind die Spuren des Feuers deutlich zu sehen, alle Hütten auf der einen Seite sind abgebrannt, etwas Wehmut kommt da schon auf, habe ich doch bei früheren Trekkings hier übernachtet. Es sind aber bereits neue Quartiere gebaut worden und so können wir es uns in den grossen Hütten bequem machen.

Wir wachsen als Team immer stärker zusammen. Dies wirkt sich auf das Wohlbefinden aus – alle sind gut hier oben angekommen und haben einen unbeschwerten Abend verbracht. Wir haben gelacht und gesungen und eine tolle Atmosphäre erlebt. Morgen haben wir Zeit zum Akklimatisieren und Vorbereiten bevor es dann Richtung Gipfel geht!

Urs

13.07.21  Siafu – die roten Ameisen

Diese haben heute einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aber zuerst schön der Reihe nach.

Heute früh ging es wirklich los in Richtung Berg. Alle sind etwas aufgeregt in Erwartung der Dinge die da kommen sollen. Trotzdem fahren wir pünktlich los zum Parkeingang. Das Wetter ist klar und so kommen wir in den Genuss eines fantastischen Ausblicks auf unser Ziel, den Kibo. Er scheint von hier aus etwas verschneit und zeichnet sich klar gegen den blauen Himmel ab. Der Mawenzi gibt sich dagegen noch etwas bedeckt.

Evarest lotst uns durch den Parkeingang und schon bald schlängelt sich unser Team durch den Regenwald bergan. Schön langsam, die Natur geniessend und mit angenehmen Pausen steigen wir bergan. Plötzlich macht Remmy, unser Tagesguide, einen rasanten Zwischenspurt. Siafu! Ameisen! Warum rennen wir vor Ameisen davon? Die Biester hier kriechen sofort die Hosenbeine innen hoch und beissen empfindlich wenn man ihnen die Chance gibt!

Wir erreichen die Mandarahütte auf 2720 m und sind schon sehr glücklich dass wir die Wanderung durch den Regenwald bei trockenem Wetter geniessen durften. Nach dem Zvieri wandern wir weiter zum Maundi Crater und bewundern die Aussicht ins Flachland und nach Kenia. Unterwegs beobachten wir die Bimbi (Hyrax oder Baumschliefer) – die uns sehr an Murmeltiere auf Bäumen erinnern – die Blue Monkeys (Diademmeerkatzen) und die schwarz-weissen Calabat Monkeys (Seidenaffen) mit ihren langen weissen Schwänzen.

Wir sind die einzige Gruppe in der Mandarahütte und sind nur ganz wenigen Trekkern auf dem Abstieg begegnet. Bisher haben wir den Berg für uns und unsere Crew alleine! Für uns ist das toll, für die Menschen hier die vom Tourismus leben ist das eine Katastrophe… Es ist jetzt also definitiv die richtige Zeit, sich den Traum eines Kilimanjaro Trekkings zu erfüllen!

Mit einem bunten Strauss an neuen Eindrücken und einem feinen Abendessenim Bauch, serviert von Freddy und Jonathan,  ziehen sich die Members schon bald in die neuen Hütten zurück. Sie lassen nur den Blogschreiber zurück – der legt den Griffel jetzt aber für heute auch beiseite.

12.07.21 Maisha Marefu – auf ein langes Leben!

So stossen wir hinter dem Markt von Marangu mit einem Kili-Bier an. Gemeinsam mit den Guides für unsere Besteigung, Godlisten, Alfred, Dennis, Remmy und Julius sind wir durch den Ort Marangu gestreift und haben viel über die Lebensweise des Volks der Chagga, das hier lebt, über die Plantagen und die Natur erfahren.

Die Chagga setzen Yucca als Begrenzung ihres Grundstücks wie einen Zaun. Jeder weiss – hier beginnt das Nachbargrundstück. Eine Yuccapflanze auf dem Weg mit verknoteten Blättern bedeutet: kein Durchgang! Und die Übergabe eines Yuccablatts heisst sorry, bitte vergib mir. Und das ist verbindlich – die Entschuldigung darf nicht abgelehnt werden! Eigentlich eine ganz praktische Einrichtung für das Zusammenleben.

In der Schule haben einige Members der Lehrerin Stifte und Hefte geschenkt. Sie war sehr dankbar und hat ihre Klasse für uns singen lassen. So kamen wir zu vertieften Einblicken in das Leben hier. Sehr erstaunt hat uns alle, wie hier für alle Schüler auf offenem Feuer gekocht wird. Jeder Schüler muss täglich zwei Stecken Brennholz mitbringen. Die von Aktivferien erbaute neue Küche macht das alles dann einfacher.

Evarest, der hier für Aktivferien alle Fäden in der Hand hält, führte uns durchs Farmhaus und den Garten. Die Wege sind neu gemacht worden, die Beete umgegraben und bereit zum bepflanzen und das Material liegt fein säuberlich geordnet bereit für den Berg. Da kommen schon Bemerkungen wie „da gibt es ja sogar Untertassen“ oder „sind diese Bettflaschen für uns?“ „Kann ich dann auch eine haben?“ Ich schmunzle und freue mich auf die überraschten Gesichter wenn sie zum ersten Mal den gedeckten Tisch sehen! Und noch etwas ist wichtig – wieviele Träger braucht das? Evarest nimmt den Taschenrechner zur Hand und zählt etliche Zahlen zusammen – 42 verkündet er als Ergebnis!

Jetzt sind wir also wirklich bereit für den Aufstieg! Morgen geht’s los, schön langsam durch den Regenwald zur Mandara Hütte!

Urs

11.07.21 – Karibu Tanzania

Willkommen in Tanzania! Schon vor 07.00 Uhr setzt das Flugzeug auf der Piste des Kilimanjaro Airport auf. Wir sind da! Wiederum war der Flieger nur zu einem Drittel gefüllt und so können alle ausgestreckt auf drei Sitzen schlafen. Die Kontrollen sind sehr gut organisiert und sogar mit einem Schnelltest vor Ort kommen wir gut durch bis bei der Immigration der Computer streikt. Aber wir sind in Afrika und haben Zeit – also alles pole, pole. Zweimal Juma und Barnabas empfangen uns herzlich mit einem Fruchtsaft – karibu – willkommen!

Dann wird rasch alles Gepäck auf den Bus geladen und los geht’s. Auch wenn ich die Fahrt schon ein paar Mal gemacht – sie vermittelt immer besondere erste Eindrücke und gibt Zeit zum Ankommen. Nach all der Aufregung wird es dann aber ruhiger und den meisten fallen irgendwann die Augen zu. Gegen Mittag kommen wir im Fortune Mountain Resort an. Die Saison läuft eben erst an und die Startschwierigkeiten sind spürbar – aber schon bald haben alle ihre Zimmer und es steht ein feines Mittagessen auf dem Tisch.

Als ich nach einer kurzen Siesta auf die Terrasse komme sitzen die Members im Kreis und unterhalten sich angeregt – ein tolles Bild! Vor 24 Stunden noch Fremde sitzen sie da wie, wenn sie alte Bekannte wären. Jede und jeder erzählt aus seinem Leben und von seinem oder ihrem Traum den Kili zu besteigen. Ich erlebe alle sehr positiv, motiviert und doch mit dem nötigen Respekt. Das alles stimmt mich sehr optimistisch für die kommenden Tage und ich freue mich, mit diesem Team zu arbeiten.
Nach einem feinen Abendessen sind alle müde und verziehen sich bald in ihre Zimmer. Nicht mal der Final der Fussball EM hält das Team auf Trab. Morgen ist noch ein ruhigerer Tag angesagt und dann geht’s los!

Herzliche Grüsse aus Marangu!
Urs

10.07.21 – Wageni

Wir alle sind jetzt Wageni – Reisende! Draussen ist es dunkel geworden, nach dem Essen und dem Kaffee ist es im wenig ausgelasteten Flugzeug ruhig und wir fliegen über wenig bekannten Ortsnamen wie Qaragh Dagh oder Jabal Harim. Das muss schon der Orient sein! Noch gut eineinhalb Stunden bis Doha und Zeit auf den Start unserer Reise zurück zu schauen.

Wie immer kommt bei mir noch Hektik auf beim Packen. Wenn ich dann aber im Zug zum Flughafen sitze, lehne ich zurück und stelle mich auf das ein was kommen mag. Viele Fragen schwirren durch den Kopf – wer ist wohl mit im Team, haben alle ihren PCR Test und das Einreiseformular, kommen wir gut durch‘s Einchecken?

Ich checke schon mal ein, dann weiss ich was aktuell alles verlangt wird. Die Members sind früh da, alle sind ein wenig aufgeregt. Sofort ergibt sich ein Kontakt untereinander – ich erhalte fast das Gefühl wir würden uns schon lange kennen, hätten uns einfach einige Zeit nicht mehr gesehen. Menschen die sich vorher nie begegnet sind helfen einander bei den Formularen, fiebern mit bis die Kollegin ihre Probleme mit dem Covid Testbericht gelöst oder der Kollege es durch die Security geschafft hat und freuen sich über jede und jeden die oder der dabei ist. Ich fühle mich jedenfalls sofort wohl und freue mich, jede und jeden in den kommenden Tagen immer besser kennen zu lernen.

Aber jetzt geht es erst mal darum, nach Doha und dann zum Kilimanjaro Airport zu kommen. Bei einem hohen Berg ist es wie mit einem Kuchen – man isst ihn Stück um Stück! Tanzania – wir kommen!

Gruss aus Doha
Urs

07.07.21 – Vorfreude

So langsam rückt der Termin unserer Abreise näher. Die Vorfreude, wieder in Tanzania zu sein und Freunde zu treffen, steigt von Tag zu Tag. Es gibt noch einiges zu erledigen: PCR-Test machen, in Seuzach die Medibox und den Tee abholen, das Abonnement für’s Handy erweitern, Batterien und Biberli einkaufen… Die Erinnerung an vergangene Reisen wird wieder lebendig – letztes Jahr waren wir ganz alleine am Kilimanjaro, die einzige Gruppe an diesem grossen Berg! Wie wird es diesmal sein? Viele Leute hat es bestimmt nicht. Es lag damals ziemlich viel Schnee auf dem Kraterrand – wie wird es wohl diesmal sein? Und die bangste Frage – wie geht es unseren Freunden in Marangu, in den Lodges und auf Zanzibar? Ich bin zuversichtlich, dass wir wieder ein fantastisches Team sein werden. Die Gäste sind zwar im Moment nur Namen auf einer Liste – aber ab Samstagmittag werden wir alle ein gemeinsames Ziel haben: den Kili zu besteigen! Im Team lassen sich hervorragende Leistungen erzielen – und auch wenn jeder selber – pole, pole – jeden Schritt gehen muss, ist ein gut funktionierendes Team ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Besteigung eines hohen Berges – und der Kili ist definitiv ein hoher Berg! Es wird wieder bereichernd sein zu sehen, wie alle zum Team zusammenwachsen. Also freuen wir uns auf Afrika – wir kommen! Es wäre schön, wenn Sie unsere Reise im Blog mitverfolgen.

Urs von Däniken
Wanderleiter mit eidg. FA

Tagebuch vom Kilimanjaro