Es ist eine Sehnsucht, die mich immer wieder in die Serengeti zieht und dieses Mal war es etwas ganz Besonderes.

Ich erblicke sie schon von weitem. Zuoberst auf dem Kimarishe Hills stehen sie, die vertrauten Massai Duma und Kimani, und warten auf mich. Wie lange haben sie wohl auf mich gewartet? Stunden, Tage oder gar Wochen? Es spielt ihnen keine Rolle, sie sind ja sowieso hier und sie haben ein ganz anderes Zeitgefühl als wir. Die Begrüssung ist herzlich, denn seit Jahren haben wir den Zugang zueinander gefunden und so Vertrauen aufgebaut. Die Massai haben einen siebten Sinn, sich in der Natur zu bewegen, sie sind Teil dieser Natur. Sie riechen die Tiere, lesen die Spuren und den Kot, und sie verstehen Hinweise der Vögel. Dieses Wissen, dieses Gespür können wir uns nie aneignen. Aber es ist spannend, daran teilzunehmen. Es kommt gut an bei den Gästen auf unseren Naturreisen Tanzania. Und wie! Zu Fuss mit einem Massai und einem Ranger durchstreifen wir die Wildnis der Kimarishe Hills. Hier entsteht ein neuer, diskreter Weg für unsere Gäste entlang des Kimarishe Kamm. Stolz zeigen mir die Massai, dass sie bereits ein grosses Stück des neuen Trails freigelegt haben. Der Blick von hier oben ist atemberaubend, 360 Grad Aussicht hinunter in die legendäre Serengeti mit Millionen von Tieren. So muss sich „Lion King“ fühlen. Dieser Platz in der Zentral-Serengeti ist einmalig, strategisch optimal zwischen Westernserengeti und Nordserengeti. Hier wo alljährlich Millionen von Tieren auf ihrer Wanderung vorbei ziehen.

Eine Baustelle zuoberst auf den Kimarishe Hills

Geduld ist gefragt, viel Geduld. Seit drei Jahren ist Aktivferien miteinbezogen, auf den Kimarishe Hills eine neue Lodge zu bauen. Eine Baustelle hier in der Serengeti läuft komplett anders als bei uns in Europa. Eine extrem schwierige und aufwändige Organisation macht den Bauprozess sehr langsam. Dafür gibt es sehr viele exotische Geschichten:

Seit wir die Wasserleitung vom Bohrloch bis ins 3000 m entfernte Camp gezogen haben, zieht es auch die Tiere an. Zebras, Gnus, Büffel, Gazellen, aber auch Löwen. Ja, sogar ein ganzes Rudel Löwen ist immer wieder auf der Baustelle anzutreffen. Gerade jetzt hat eine Löwin drei Junge bekommen und das heisst, diese werden in nächster Zeit das Camp nicht mehr verlassen. Dass die Baustellenarbeiter eher ein mulmiges Gefühl haben ist verständlich, denn die meisten kommen aus der Stadt. Als ich auf meinem Besuch diese Woche den Massai frage, ob die Löwin immer noch hier sei, lacht er nur. „Ja, aber kein Problem“ sagt er.

Eine sehr spezielle Geschichte erzählen mir auch die Baustellenarbeiter von einem Leoparden. Leoparden schlagen gerne Gazellen und hängen sie dann irgendwo in einer Baumkrone auf, um sie später zu verzehren. Als eines Morgens die Baustellenarbeiter den Betonmischer anwerfen wollten, hing eine Gazelle direkt am Betonmischer. Ja, an diesem Tag wollte niemand mehr arbeiten. Die Massai zeigen mir jetzt voller Stolz, dass sie für mich ein einfaches Hauszelt zuoberst auf dem Kimarishe Hills aufgebaut haben, wo ich alleine die Nacht verbringen werde. Welch ein Privileg, alleine inmitten der Serengeti! Still sitze ich nun hier vor meinem Zelt, sehe wie die Sonne blutrot in der Savanne versinkt und stelle mir vor, wie viele Gäste dieses wunderschöne Schauspiel in Zukunft auch erleben dürfen. Einmalig, und in Worten kaum zu beschreiben! Beim Einschlafen lausche ich dem afrikanischen Busch, bald höre ich die ersten Hyänen bellen und dann das tiefe Brüllen der Löwen. Ja, die Löwen sind immer noch da, ganz in der Nähe. Aber der Massai würde jetzt sagen, „kein Problem“.

Eine Nacht alleine in der Serengeti