Im technisierten und hektischen Alltag ist die Natur leider oft weit weg. Wir nehmen sie wahr, wenn eine Naturkatastrophe passiert oder wenn wir auf den sozialen Medien Bilder sehen, die uns faszinieren. Und dann fragt man sich doch unvermittelt – «eigentlich müsste ich das auch mal erleben können». In diesem Sinne macht sich Ende Januar eine kleine, bunte Schar Menschen mit einem völlig unterschiedlichen Hintergrund auf, die vielfältige Natur Tanzanias zu erkunden.

Am Fuss vom Kilimanjaro

Kaum am Kilimanjaro Airport gelandet, tauchen wir schon ein in das faszinierende Land. Unser Busfahrer Freddie fährt uns mit sicherer Hand und stoischer Ruhe nach Marangu, dem Ausgangspukt für die Besteigung des Kilimanjaro. Die vulkanische Erde und der Regen, der aus den am Berg aufsteigenden Wolken fällt, bescheren eine grüne Wildnis und reiche Ernte in diesem fruchtbaren Gebiet. Der Ort Marangu ist trotz fast 20’000 Einwohnern aus unserer westlichen Sicht eher ein Waldgebiet mit verstreuten Häusern. Hier herrscht die Natur!

 

Um die Füsse nach dem langen Flug etwas zu vertreten, spazieren wir mit den Guides Livingstone und Bryson durch den Ort und entdecken für uns ganz ungewohnte Pflanzen. Was ist das für fantastische Blüte? Eine Zierbanane! Wer hat so etwas schon gesehen? Und was sind das für Früchte auf dem Baum? Jackfruit – nicht zu verwechseln mit der Stinkfrucht. Tags darauf am Markt wird die Frucht gleich ausprobiert, schliesslich kann man die Natur auch schmecken. Kartoffeln in allen Farben und Formen bis hin zu steinharten schwarzen Exemplaren, Gemüse von Tomaten über Bohnen bis zu exotischem Spinat. Die Erklärungen unserer Guides bereichern den Ausflug mit einer gehörigen Portion Naturkunde.

 

Der unterste Gürtel am Kilimanjaro ist der Rainforest, der Regenwald. Hier wächst ein grünes Dickicht mit hohen Bäumen, Farnen, Moosen – eine faszinierende Welt tut sich auf. Je höher wir kommen, umso wilder wird der Wald – oberhalb der Mandarahütte hat man das Gefühl, die Verfasserin der Harry Potter Bücher hätte sich hier inspirieren lassen. Die Erikabüsche hier oben sind bis vier, fünf Meter hoch – da fühlen wir uns wie die Ameisen in der Schweiz. In den Bäumen turnen Blue Monkeys und die schwarzweissen Seidenaffen, vor ihren Baumhöhlen hocken die Hyrax (Baumschliefer) – einfach faszinierend die Natur hier!

Tarangire Nationalpark

Schon bald erreichen wir den Tarangire Nationalpark. Was hängt dort drüben Längliches vom Ast herunter? Unser Fahrer Albert weiss es sofort – das kann nur ein Leopard sein. Schon am ersten Tag im Park eine solche Begegnung, wir fühlen uns vom Glück verwöhnt. Aber nicht nur die grossen Tiere sind faszinierend, auch die kleineren Mangusten oder die verschiedenen Hühnerarten wollen entdeckt werden. Die Begegnung mit den Elefanten ist für jeden etwas anders, die einen nehmen gleich Augenkontakt auf und erzählen nachher mit Tränen in den Augen von der Verbindung die sie gespürt haben, die anderen sind eher ehrfuchtsvoll berührt. Eine riesige Elefantenherde mit Jungen verschiedenen Alters bietet ein Spektakel. Und dann taucht diese Gruppe von Giraffen mit einem Jungen mit akkurat geschnittener Mähne auf, das unserem Gefährt interessiert folgt. Di «Jöh» sind zahlreich – unsere Fahrer lernen das schnell und zeigen uns weitere «Jöh».

Lake Manyara

Auch am Lake Manyara gibt es viel Natur zu entdecken. Hier grasen die Zebras und Giraffen direkt um unsere Unterkünfte rum und unter den Häuschen stiebt auch mal eine Familie Warzenschweine hervor. Am frühen Morgen in Begleitung eines Massai und unserer Fahrer sind wir schon wieder auf Erkundung – und erfahren von den Experten viel über die Natur hier am grossen See. Wie kommt dieser Baum auf den Termitenhügel? Da erfahren wir alles über die Aufbau eines Termitenstaats – eine riesige unterirdische, unbekannte Welt tut sich auf.

Ngorongoro und Serengeti

Die Natur im Ngorongoro Krater ist ein gewaltiges Spektakel. Wir haben in unserem Zeltcamp gut geschlafen, Wenn wir aber gewusst hätten, dass nur hundert Meter weiter ein Elefant durch das Dickicht stapfte, wären wir vielleicht etwas besorgt gewesen. Aber die Massai am Feuer haben bestimmt gut aufgepasst. Die riesigen Tierbestände im Krater sind einfach umwerfend – auch nach zehn Besuchen ist es auch für mich jedesmal ein umwerfendes Erlebnis. Da gerade die Geburt der Gnu und Zebras ansteht gab es auch hier jede Menge «jöh» Momente!

 

Auf der Fahrt vom Ngorongoro in die Serengeti besuchen wir die Massai in ihren Dörfern. Geführt von Kimani und seinem Freund wandern wir über die Hügel und lernen viel über dieses Volk und seine Kultur. Schwer beeindruckt und auch etwas nachdenklich über die Art wie die Menschen hier leben, lassen wir das alles auf uns wirken. Und dann kommt er doch noch – der «jöh»-Moment: ein Esel hat vor zwei, drei Stunden ein Junges auf die Welt gebracht!

 

Am Lake N’Dutu tauchen wir in ein Naturspektakel ein, das seinesgleichen sucht. Zweieinhalb Millionen Gnu und eineinhalb Millionen Zebra versammeln sich hier, um auf ihrer jährlichen Reise zwischen Tanzania und Kenia durch die Serengeti ihre Jungen hier zur Welt zu bringen. Die Verhältnisse sind ideal, das kurze Gras enthält einerseits viele Mineralstoffe, was für die Muttermilch gut ist und macht es für die Räuber schwierig, sich unbemerkt an die Herde heranzuschleichen. Wir stehen im Safarifahrzeug und rundherum, bis zum Horizont, nichts als Tiere! Katrin würde am liebsten einen Stuhl nehmen, sich mitten in die Herde setzen und das Erlebnis ganz ruhig auf sich wirken lassen. Das geht natürlich nicht so leicht – wenig weiter entdecken wir Löwen und Geparden, die nur auf ein gutes Abendessen warten.

Auf Fusssafari

Wieder geht es am frühen Morgen los. In Begleitung von Msafiri, der die Natur erklärt, einem Massai, der den Weg bahnt und beschützt durch zwei bewaffnete Ranger bewegen wir uns sorgfältig durch das hohe Gras. Wir begutachten Spuren und Knochen – aber schon entdecken wir eine Giraffenfamilie. Ein ganz anderes Gefühl, diesen edlen Tieren zu Fuss zu begegnen. Die Fluchtdistanz ist länger, wenn man zu Fuss kommt – aber man spürt das Erlebnis unmittelbarer, als wenn man im Auto steht. Später kommen wir noch nahe an eine Herde Impala heran. Obwohl wir schon ganz viele davon gesehen haben – zu Fuss ist es doch wieder anders.

 

Und dann fahren wir in die Serengeti. Hier steht das Gras hoch und unsere Begegnungen mit Leoparden sind eher flüchtig. Sobald er vom Baum gesprungen ist, ist er nicht mehr zu entdecken. Dafür können wir auf dem Baum seine Beute begutachten. Leoparden können bis zum Dreifachen des eigenen Körpergewichts auf einen Baum schleppen, um die Beute vor Konkurrenten wie Hyänen in Sicherheit zu bringen. So kommt es halt vor, dass man ein Impala auf dem Baum entdeckt. Wie die natur das alles eingerichtet hat, ist schon faszinierend.

 

Und als wir schon voller Eindrücke sind und denken, besser kann es nicht mehr kommen, stoppt Albert sein Fahrzeug und zeigt auf den Boden. Ein Käfer rollt einen Ball über die Strasse! Der Pillendreher formt aus dem Kot eines Büffels einen Ball und bringt diesen zu einem Weibchen, das dann die Eier hineinlegt und anschliessend wird der Ball vergraben. Darin können die Jungen aufwachsen, sind geschützt und haben Nahrung. Auch die ganz kleinen Entdeckungen bleiben für immer im Gedächtnis!

Ausspannen auf Zanzibar

Nach so viel Natur fliegen wir nach Zanzibar. Im Bluebay Resort ist abgesehen von den Palmen etwas weniger Natur angesagt. Auf dem Ausflug in die Gewürzfarm kommen wir aber wieder ganz nahe an natürliche Produkte heran. Die meisten von uns haben noch nie gesehen, wie eine Muskatnuss in ihrer fleischigen Haut und überzogen mit roten Adern frisch vom Baum aussieht. Zum Abschied aus Tanzania spazieren wir über den Markt von Stonetown, dem historischen Hauptort Zanzibars. So viel Natur erschlägt uns fast – unter den Markttischen am Fischmarkt liegen grosse Gelbflossenthunfische, auf den Tischen allerlei Getier aus dem Meer und auf dem Gemüsemarkt leuchten die Tomaten mit den Peperoni um die Wette.

 

Nach zwei Wochen Natur pur landen wir wieder in Zürich und sind zurück in unserer aufgeräumten, organisierten Welt. Eine tiefe Dankbarkeit erfüllt uns, dass wir die Natur erkunden, den Menschen und Tieren in ihren Lebensräumen begegnen und so viel schöne Momente als Team teilen durften. Ihr, mein liebes Team, habt aus dieser Reise ein fantastisches Natuerlebnis gemacht – Asante sana!

Urs von Däniken
Wanderleiter mit eidg. FA
Naturreise Tanzania 27.01. bis 12.02.24

 

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Eine Reise durch eine vielfältige Natur