Neue Geschichten aus Marangu – M‘bege-Bier für alle

Der Bergführer Jobo hat uns von der Bedeutung der Yuccablätter für die Chaggas erzählt. Denis von den verschiedenen Bananen und dem Bananenbier M’bege. Bryson fällt dem jungen Guide ins Wort. Es gehe nicht darum sich zu betrinken, erklärt er und lacht. «Aber das kann man auch?» fragt Urs. Bergführer Bryson nickt und fährt ernst fort: «Das Biertrinken ist für uns auch ein sozialer Akt. Man sitzt zusammen an einem Fest. Einer Hochzeit. Einer Versammlung. Und da trinkt man gemeinsam das Bananenbier.» Wir nicken und lachen: «Aha!»

Die Schulleiterin spielt Fussball
Wir sind unterwegs auf dem Dorfspziergang in Marangu und erfahren allerhand Geschichten über die Kultur und Sitten des Stammes, der Chaggas, der hier am Fuss des Kilimanjaro lebt. Claudia war letztes Jahr bereits auf der Naturrreise. Es hat ihr so gut gefallen, dass sie diese Reise gleich nochmals mitmacht. Sie hat zwei Fussbälle als Geschenk für die Schule unterwegs mitgebracht. Wir melden uns bei der Schulleiterin. Diese schaut uns erst kritisch von hinter ihrer Gesichtsmaske hervor an. Als Claudia die beiden knallroten Bälle zu ihr hochkickt bilden sich Dutzende von kleinen Falten um ihre Augen. Sie schnappt sich einen Ball, balanciert ihn auf ihrer Sandale und ruft: «Komm hoch, lass uns spielen!» Aus dem einen Schulzimmer recken sich ein paar vorwitzige Köpfe aus der Türe und die Schüler lachen. Die Lehrerin ruft sie wieder hinein. Die Schulleiterin kickt fröhlich weiter. 337 PrimarschülerInnen werden hier von 7 LehrerInnen von 9.00 bis 16.00 Uhr unterrichtet, erklärt sie uns. Wir kicken noch ein paar Pässe mit ihr, verabschieden uns und marschieren weiter zum Aktivferien Kilimanjaro Farmhaus. Mister Evarest führt uns voller Stolz durch den Gemüsegarten und hält einmal mehr mit Nachdruck fest: «We are Bio. Kuhscheisse als Dünger only!»

Natschitscha
Nach dem Mittagessen besuchen wir einen kleinen Markt etwas ausserhalb des Dorfes. «Shimboni shafu?» Wie gehts?, grüssen wir in der Chaggasprache. Die Marktfrauen lachen und grüssen zurück: «Natschitscha!» Es geht gut! Am Rand des Marktes, im Schatten einer Hauswand, sitzen etwa 20 Männer und Frauen, trinken M’bege aus farbigen Plastikkübeln und winken uns fröhlich zu. Bryson klopft mir auf die Schulter: «Habe ich’s nicht heute Morgen erzählt!?» Wir nicken und geben eine kleine Runde Bananenbier aus. Alle lachen und freuen sich. Aber die Einladung zum Mittrinken schlagen wir höflich aus. Die Zubereitung des Gebräus wäre eine echte Herausforderung für unsere Mägen. «Kwaheri», winken wir zum Abschied. «Badai», höre ich jemanden rufen: «Come back again soon.»

Ein Elefant im Regenwald
Eine Fabel der Chagga besagt: Von alters her war die Erde flach. Eines Tages richtete sie sich auf und wollte mit dem Himmel reden. Es ergab sich ein gutes Gespräch. Als sie sich wieder trennten, schaffte es die Erde nicht überall nach Hause zurück. So entstanden die Berge und Hügel. Und auch der Kilimanjaro. Er grüsst uns freundlich über einem verrosteten Blechdach und grünen Bäumen, verschneit und vor dem wolkenlosen Himmel.

Wir wandern durch den Regenwald hinauf zu den Mandarahütten auf 2720 Meter. «Pole Pole» mahnt Remy, unser Bergführer und schreitet gemächlich voraus. Inmitten der dichten Bäume hält er an. Er grinst und deutet auf eine mächtige, schwarze Struktur: «Elefant!» Wir staunen, lachen und fotografieren. (Beweisfoto, siehe unten! 😉.)
Das Sonnenlicht wirft tanzende Schatten auf die Bäume, Farne, Moose und Flechten in ihren unzähligen Grüntönen. «Wie in einem mystischen Märchen-, oder Zauberwald,» findet Erika. Und so beobachten wir Geister, Feen und Zwerge auf unserer Wanderung bergan. «Und irgendwo lässt Cindarella hier ihr Haar herunter,» kommentiert Urs angesichts der vielen herabhängenden Bartflechten.

Zurück im Hotel trinken wir zum Abschied ein Kilimanjaro-Bier mit unseren Guides und Begleitern. Sie singen für uns die Kilimanjarolieder. Wir revanchieren uns mit dem Burebüebli. Jobo bedankt sich mit leiser aber leidenschaftlicher Stimme für unseren Besuch und dass wir ihnen dadurch Arbeit geben. Er wünscht uns eine erfolgreiche Safari und dass wir ihnen viele weitere Gäste schicken mögen. Wir nicken gerührt und verabschiedeten uns mit den Ellenbogen von unseren lieb gewonnenen Chaggafreunden. Kwaheri. Auf Wiedersehen!

2/2 Unterwegs auf der Naturreise 21/03

Wieso die Giraffen lange Hälse und Beine haben
Bereits vor dem Parkeingang entdecken wir mitten im Kulturland erste Zebras und Gnus. Kaum fünfhundert Meter nach der Tarangire Nationalparkgrenze stehen drei mächtige, grasende Elefantenbullen. Etwas weiter läuft eine Elefantenherde gemächlich über die Strasse, gleich neben unseren Jeeps vorbei. Ein herrlicher Safarianfang. Die grosse Regenzeit rückt näher, erste Regenschauer haben den Tarangire-Nationalpark bereits in ein grünes Paradies verwandelt. Und wir wissen jetzt, weshalb die Giraffen lange Hälse und Beine haben: damit wir sie im hohen grünen Gras der Savanne besser sehen können – und wir sehen viele! Massaigiraffen allesamt. Von den dem Park namensgebenden Tarangires (Warzenschweine) sehen wir hingegen meist nur die hoch aufgerichteten Schwänzchen beim Wegrennen. Dafür entdecken wir etwas abseits eine Herde seltener Oryx mit ihren schwarzweissen Gesichtern und den langen, gerade aufragenden Hörnern. Den deutschen Name Spiessböcke tragen sie zu Recht. Ein Regenschauer erwischt uns am Nachmittag. Mitten im Platzregen entdecken wir eine weitere Elefantenfamilie. Der niederprasselnde Regen scheint sie nicht zu beeindrucken. Sie wandern gemächlich grasend durch die Savanne. Hyänenschreie begleiten uns in unsere Träume. Als wir am nächsten Vormittag den Park verlassen stehen fünf mächtige Elefantenbullen im Schatten einer Akazie. Sie winken uns mit ihren Rüsseln zum Abschied zu.

Unser Hotel mitten im Zoo
«Das ist schon eindrücklich!» sagt Erika. «Wie ein Hotel mitten im Zoo!» ergänzt Ruth. Wir stehen auf der Veranda der Maramboi-Lodge und beobachten eine Familie Warzenschweine direkt vor unseren Füssen. Dahinter grasen Gnus, Zebras und Gazellen zwischen Akazien und Palmen. Zwei Afrikanische Löffler stochern mit ihrem Löffelschnabel im Sumpf. Wir schauen vom Pool aus über den Manyarasee auf den ostafrikanischen Grabenbruch, der 700 Meter steil in die Höhe ragt. Als wir bei einem Glas Weisswein den Sonnenuntergang geniessen ziehen Nilgänse und Heilige Ibisse über unsere Köpfe hinweg zu ihren Schlafplätzen. Auf der Morgenpirsch zu Fuss mit dem Massai Daniel beobachten wir Gnus und Zebras aus nächster Nähe. Beat gewinnt das Imponierduell gegen ein Gnu. Daniel lacht mit dem Speer in der Hand: «Twendei, gehen wir!»

Freiwillige Feuerwehr Ngorongoro
In der Nacht schnauben Büffel in der Nähe unserer Zelte unter den Akazien auf dem Kraterrand des Ngorongoro. Der Krater ist so grün wie selten. Als wir hinunterfahren beobachten wir Zebras, Büffelherden, Schakale, Gazellen und Hyänen. Und staunen, als wir total 48 Elefantenbullen durch den Krater wandern sehen. Wir entdecken unsere ersten Löwen. Es sind, nachdem wir alle mehrmals durchgezählt haben, 11 Stück, die faul im Gras herumleuen. Auch das seltene Spitzmaulnashorn samt Jungtier entdecken wir vor uns in der Savanne. Und entdecken vier weitere Löwen, die zu einer anderen Löwenfamilie gehören. Grzimek hat den Krater als 8. Weltwunder bezeichnet. Eine Natur- und Tierwunderwelt ist der implodierte Vulkan auf jeden Fall. René und Urs diskutieren darüber, dass dieser grüne Garten Eden geschützt werde muss, in der Trockenzeit vor allem natürlich gegen Feuer. So gründen wir spontan die «Freiwillige Feuerwehr Ngorongoro». Damit die Wasserschläuche nicht kaputt gehen würden wir gerne auch Elefanten, Nashörner und Büffel damit abspritzen! 😀🌴🦏🐘🦓 Als wir abends den Park verlassen steht ein gewaltiger Elefantenbulle am Wegrand. Er wackelt drohend mit den Ohren als wir ihn fotografieren. Wir bedanken uns fürs Foto und machen uns auf den Weg ins Camp.

3/3 Unterwegs auf der Naturreise 21/03

Massaimedizin gegen Magenkrämpfe
Unsere Fahrer navigieren vorsichtig über die nasse, rutschige Piste zum Massaidorf Endulen. Hier begrüsst uns Kimani, unser Massaiguide und sein Begleiter. «Welcome», grüssen sie und er deuten lachend auf den noch dampfenden Elefantendung, der am Boden liegt. «Ihr habt die Elefanten knapp verpasst.» Mit dem Stock zeigt Kimani auf den Hügel vor uns. Tatsächlich, dort laufen Elefanten in Einerreihe hoch. Auf den Weiden, durch die wir gemeinsam wandern hüten Massaibuben Ziegen und Rinder. «Wir leben in Harmonie mit den Wildtieren», erklärt Kimani. Er hebt ein Stück Akazienrinde hoch, das die Elefanten heruntergerissen haben. Dann reisst er weisse Fasern aus dem Holz und reicht sie uns. «Kaugummi», lacht er, wir stecken uns die weichen Holzfasern in den Mund und kauen. «Schmeckt ein wenig wie Banane» meint Beat. Als Kimani uns über das Wissen der Massai in Sachen Naturmedizin erzählt fragen wir nach. Drei Gäste klagen seit gestern über Magenkrämpfe, was hilft dagegen? Kimani und sein Begleiter nicken und graben die Wurzeln eines Sodomapfels aus. Sie reinigen die Wurzeln mit dem Schwert und zeigen uns wie man die Hülle der Wurzel mit den Zähnen abstreifen und kauen muss. «Ziemlich bitter!» stellt Ruth fest. Aber brav kauen alle ihre Wurzeln. René nimmt sicherheitshalber noch ein paar Wurzeln mit auf den Weg. Am Abend vermelden alle drei Gäste, dass ihre Magenkrämpfe weg sind. Asante sana Massaimedizin!

Frühstück mit Löwen
Beim Ndutesee brüllt uns ein Löwe in den Schlaf. Nach einer Tasse Kaffee bei Sonnenaufgang brechen wir zur Morgensafari auf. Der nächtliche Tau klebt an unseren Hosenbeinen und nässt unsere Schuhe. Der Ranger am Schluss unseres Gänsemarsches lacht, er trägt Gummistiefel. Der Massai und der Ranger besprechen sich leise. Der Ranger hält sein Gewehr jetzt mit aufgeklapptem Kolben in den Händen. «Riecht ihr etwas?» fragt Msafiri, unser Naturführer. Wir nicken, es stinkt. Wir umrunden den Busch und entdecken den frisch abgenagten Kadaver eines Gnus. Doch es liegen sechs Beine verstreut im Gras. «Mutter mit Kalb», erklärt Msafiri. Auf den Akazien in der Nähe hocken die ersten Geier und beäugen uns. Massai Masindi winkt und mahnt zur Vorsicht. Leise schleichen wir an den Rand der Bäume und Gebüsche. Und – wow – etwas weiter vorne ragen zwei rotschopfige Köpfe und vollgefressene Körper hinter einer kleinen Erhebung hervor. Was für ein Glück! Vorsichtig pirschen wir ins offene Flusstal für eine bessere Sicht. Jetzt haben uns die beiden Löwen ebenfalls entdeckt. Sie stehen auf, blicken uns kurz an und springen mit ein paar kräftigen Sätzen ins dichte Gebüsch. In respektvollen Abstand umrunden wir die beiden Löwen und begeben uns zurück zum ausgiebigen Morgenessen in der Lodge. Auf der Weiterfahrt machen wir einen Umweg mit den Jeeps und suchen die Gnu-Kadaver nochmals auf. Und siehe da: eine elfköpfige Löwenfamilie mit einem süssen, kleinen Simba liegt unter einer Akazie und kuschelt und neckt sich gegenseitig.

Büffel, Leopard und eine Löwenjagd in der Serengeti
Der Massai Longishu und die beiden Ranger Theo und Silveri begleiten uns auf den morgendlichen Fussmarsch. Wir wandern durch meterhohes Gras. Unsere Begleiter suchen die Savanne immer wieder mit ihren Augen aufmerksam ab. Wir geniessen die wunderbare Stimmung die über der Ebene liegt und das Privileg, in der Serengeti wandern zu dürfen. «Es hat wenig Tiere, wegen dem hohen Gras», erklärt Ranger Theo. Longishu lacht und deutet geradeaus. Wir müssen uns anstrengen, um die vielen Ohren der Impalaherde, auf die er zeigt, aus dem Gras ragen zu sehen. Longishu hebt plötzlich seinen Speer, Theo und Silveri nehmen die Gewehre in die Hände als wir die schwarzen Rücken von zwei Büffeln im hohen Gras entdecken. Wir umrunden die beiden Tiere mit respektvollem Abstand. Als sie uns wittern heben sie ihre Köpfe und mächtigen Hörner und schauen uns an. «Nicht stehen bleiben!» mahnt Theo. Wir marschieren brav wie eine Gnuherde mit Longishu an der Spitze weiter. Dann senken die beiden Büffel ihre Köpfe wieder zum Grasen. Und Gaudence und seine  Crew vom Kuhama Camp verwöhnen uns mit einem Frühstück unter dem wolkenlos blauen Himmel der Serengeti.

Es ist unser Safaridriver Amani, welcher den Leopard auf dem Baum als Erster entdeckt. Mit hängenden Beinen und baumelndem Schwanz liegt er in seiner typischen Stellung auf einem der untersten Baumäste. Faul öffnet er ein Auge und schaut uns an. Dann erlischt sein Interesse an uns und er blickt wieder hinaus über die endlose Weite der Savanne. Was für eine Aussicht beim Warten auf eine ahnungslose Gazelle!

Auf dem Weg zum Flughafen begegnen wir drei Löwinnen und zwei Löwen. Sie gähnen, als wir neben ihnen parkieren. Die Löwen beäugen eine Gruppe Giraffen und zwei Topi-Gazellen vor uns in der Savanne. Plötzlich stehen die drei Weibchen auf und machen sich auf die Pirsch. Zwei bleiben mit ihren Köpfen sichtbar, doch die Löwin auf der rechten Seite ist auf einmal nicht mehr zu sehen im hohen Gras. Die beiden Leierantilopen kommen grasend immer näher. Wir beobachten gespannt. Die Löwenbrüder heben ihre Köpfe und beobachten die Jägerinnen ebenfalls aufmerksam. Doch dann rucken die Köpfe der Topis Richtung der beiden Löwinnen und sie rennen durch das Gras davon. Uff. Doch die Jagd geht weiter – jetzt Richtung Giraffen. So sehr wir uns auch anstrengen, wir können die Löwin rechts nicht mehr entdecken. Die Augen der beiden Löwinnen sind auf die Giraffen, eines davon ein Jungtier, gerichtet. Jetzt stehen die beiden Löwenmännchen auf und marschieren gemächlich zu den zwei sichtbaren Jägerinnen. Die beiden Könige der Tiere sind mit ihrer Mähne und durch ihre Grösse gut sichtbar. Offenbar auch für die am nächsten stehende Giraffe. Sie nimmt Reissaus und alle Giraffen stehen jetzt alarmiert und fluchtbereit. «Jagd beendet und nicht sehr schlau von den Löwenmmännchen», meint unser Fahrer Kassanda und startet den Motor.

Jetzt sitzen wir in der kleinen Propellermaschine, auf dem Weg nach Sansibar am Indischen Ozean. Wir fliegen über die weite Savanne und entdecken den schneebedeckten Gipfel des Kilimanjaro aus den Wolken ragen. Oder um es mit den Worten von Ernest Hemingway zu sagen: «… und dort vor ihnen, soweit er sehen konnte, so weit wie die ganze Welt, gross, hoch und unvorstellbar weiss in der Sonne war der flache Gipfel des Kilimandscharo. Und dann wusste er, dorthin war es, wohin er ging.»

Domink Abt, Wanderleiter SBV

 

Teile diesen Beitrag
Folge uns auf Social Media
Neue Geschichten aus Marangu, unterwegs auf der Tanzania Naturreise